Bundesfachtagung der katholischen Polizeiseelsorgerinnen und -seelsorger 2016

Polizei und Seelsorge im Wertekonflikt

Schon zu Beginn der Tagung wurde deutlich, dass die aktuelle Situation der Bewältigung des enormen Zustroms von geflüchteten Menschen Polizei und andere Hilfsorganisationen ständig in ethische Entscheidungssituationen führt, die nur schwer auszuhalten sind. 

Bettina Nickel schilderte anhand ihrer Arbeit in der bayrischen Härtefallkommission solche Situationen.

Welcher Fall kommt in die Härtefallkommission? Das ist zum Beispiel davon abhängig ob jemand im Umfeld der Person von der Existenz der Härtefallkommission weiß. Sind das wirklich die am härtesten vom Schicksal getroffenen Menschen? Wer kommt in der Vorprüfung weiter? Da steht die Menschlichkeit Gesetzen und schlechten Erfolgschancen gegenüber.

Peter Pohl, Referent für Migration und Integration im Diözesancaritasverband Bamberg und Beate Ehl, Asylsozialberatung der Caritas, stehen jeden Tag in der Spannung zwischen wichtigen Werten; Zwischen den Schicksalen der Menschen, zwischen Wahrheit und Dichtung. Zwischen Angst und Verfahrensabläufen und politischem (Un)Willen. Wichtige Themen waren die Dauer der Asylverfahren und die Abschiebungen. Ein sehr großes Problem sind die Abschiebungen aufgrund des Abkommens Dublin II.

Eine weitere wichtige Frage, die Frau Ehl umtreibt ist die Frage der Wahrheit. In den Verfahren, unter den Menschen,… Da werden Pässe weggeworfen, oder können nicht mitgenommen werden, da wird die Identitätsprüfung verweigert. Es werden Geschichten erfunden, um in den Camps überleben zu können. Beim Asylantrag gibt es andere Geschichten. Geschichten, die hier wichtig sind. Die Wahrheit bleibt auf der Strecke. Und welcher Wahrheit können Mitarbeiter glauben? Ein ethisches Dilemma.

Wunibald Müller, Theologe und Psychotherapeut, ehemaliger Leiter des recollectio-Hauses in Münsterschwarzach ging auf die Wertekonflikte von Seelsorgerinnen und Seelsorgern ein und gab Impulse wie damit umgegangen werden kann und wie es gehen kann die Spannungen, die es gibt zu leben.

Hier die persönlichen Überzeugungen und Wertvorstellungen, dort die Wertvorstellungen und Erwartungen des Arbeitgebers. Wunibald Müller stellt in seiner Arbeit, in seinen Begegnungen fest, dass die Entfremdung von Seelsorgerinnen und Seelsorgern mit der Kirche immer mehr zunimmt.

Eigentlich bin ich ganz anders, aber ich komme selten dazu formuliert er.

Hier persönlicher Lebensstil und dort Erwartungen der Kirche. Es gibt eine Kluft zwischen dem, was Mitarbeiter nach Außen vorgeben und innerlich leben. Nicht zu dem stehen können was ich wirklich lebe, denke,… ist ganz anstrengend und bindet wichtige Energie, die für die Menschen gebraucht würde. Es gibt ein großes Leiden an der Unwahrhaftigkeit.

Wir sind nicht echt, nicht kongruent.

Wenn die Sorge um uns zu kurz kommt, dann fängt das Elend an. Wenn die Seele nicht nachkommt, dann beginnt das, was heute burnout genannt wird. Die Leidenschaft, die Lust, die Freude, das Herzblut, der innere Ofen brennt nicht länger. Und es ist die Frage ob die „Unternehmensphilosophie“ zu einem guten Arbeiten beiträgt, oder ob sie das Gegenteil bewirkt.

Um diese Spannungsfelder auszuhalten, gut bewältigen zu können, ist es wichtig flexibel, elastisch zu bleiben – resilient.

Die Einstellung mit der wir eine schwierige Situation angehen ist mitentscheidend, wie wir sie lösen können. Die Frage müsste sein was mich gesund hält. Salutogenese nicht Pathogenese. Mache ich mich auf Fehlersuche oder die Schatzsuche.

Es gibt innerpsychische Kraftquellen die wir nutzen können.

Die königliche Energie; die göttliche Energiequelle. Wenn ich aus dieser Quelle schöpfen kann, dann kann ich Menschen ermutigen. Wenn ich aber selbst denke, dass ich das göttliche Kind bin, dann gehe ich in die Welt, um bewundert zu werden.

Die Krieger-, Kriegerinnenenergie – Schwert und Schild. Das Schild kann ich zum eigenen Schutz einsetzen. Bis hierher und nicht weiter. Aber die Kriegerenergie ist vor allem im kirchlichen Kontext etwas verpönt, weil sie auch mit Aggression verbunden ist.

Die Erosenergie, die Liebhaber- und Liebhaberinnenenergie. Sie ermöglicht das Leben mit Freude zu erfüllen, mit dem Schönen in Verbindung zu sein. Sie befähigt uns uns in andere einfühlen zu können, sich für sie einsetzen zu können.

Die Magier-, Magierinnenenergie. Das ist die Energie des Weisen, der weiß, dass es bestimmte Rituale gibt, die helfen, dass es eine andere Dimension gibt.

Wir brauchen Zeiten heiligen Nichtstuns in denen wir einfach leben.

Sich seine Kindlichkeit bewahren ist wichtig – staunen, sich wundern können, spielen können (etwas zweckfreies tun), etwas verrücktes tun.

Genießen können, im Augenblick leben. Genießen geht nur in der Gegenwart. Aber wir sind oft absorbiert von der Vergangenheit und von der Sorge um die Zukunft.

Lust dient der Gesundheit, wer sich Lust verbietet, dem stößt das Leben sauer auf. Im Gegensatz zu anderen großen Theologen hat das Thomas von Aquin sehr gut und sehr wohl gesehen.

Pur singt: Wir sind sterblich; den Augenblick auszukosten ist der Trick dabei.

Wir sind sterblich – aber jetzt sollen und können wir ganz lebendig sein.

Herr Dr. Gianpiero Boe, psychologischer Psychotherapeut, Klinik Heiligenfeld, arbeitet mit traumatisierten Polizistinnen und Polizisten. Mit Menschen, die Wertekonflikte haben, hatten.

An Beispielen macht er deutlich was wichtig ist und wie er mit den Menschen arbeitet.

Einige Stichworte aus seinem Vortrag:

Ein Ferrari ohne Sprit taugt nichts. Wo, wie können wir Energie tanken.

Wie sorge ich für meinen Schutzraum. Beispiel: Aufzug. Unangenehme Nähe; wir schauen nach unten, oben,… etwas drehen hilft besser.

Wenn mich jemand provozieren möchte, dann ist Ruhe wichtig – ich tanze nicht nach Deiner Musik.

Somatische Erinnerungen haben großen Einfluss.

Beispiel: Eine Frau begegnet im Wald einem Wildschwein. Sie hat Angst, duckt sich. Die gleiche Frau ist mit Kind im Wald und begegnet einem Wildschwein. Sie hat auch Angsts, aber sie stellt sich vor das Kind.

Gedanken beeinflussen mich sehr. Ich bin was ich denke. Welche giftigen Bilder habe ich im Kopf. Denke ich, dass ich eine schöne Frau bin, oder denke ich dass ich schlimm, schlecht,…. bin.

Wenn ich denke es ist Winter und es bleibt immer Winter, dann ist das schlecht. Wenn ich denke es ist Winter und ich hoffe, dass es Frühling wir ist es besser. Hoffnung ist wichtig.

Alle denken ich bin so… in Bad Kissingen. Ganz Bad Kissingen? Nein nur in der Straße – ganze Straße?

Ich mache Fehler – schlecht. Ich bin schuldig, jemand zeigt auf mich, in bin in der Ecke. Ich habe keine andere Chance. Besser: Ich hatte falsche Strategie gehabt.

Ich bin allein. Als Christ bin ich eigentlich nicht allein.

Bei Trauma – ich nehme dich wahr; du bist nicht allein.

Trauma wird normal im Schlaf verarbeitet. Kleine Kinder schlafen mehr weil sie mehr verarbeiten müssen. Dr. Boe erklärt emdr.

Nagel in der Wand gerade rausziehen geht nicht so gut. links-rechts bewegen geht langsam raus.

In einem alten Buch steht: Liebe Deinen nächsten wie Dich selbst. Und ein guter Psychotherapeut sagt: wenn ihr nicht werdet wie ein Kind. Heute sagen Psychologen – inneres Kind. Mit dem inneren Kind kann ich in Verbindung sein, bleiben, ich kann es  beschützen.

  
  

Beim Besuch im Ankunfts- und Rückführungszentrum für geflüchtete Menschen in Bamberg wurde die schwierige Aufgabe, die für alle mit der Rückführung von geflüchteten Menschen, die kein Bleiberecht haben, verbunden ist, greifbar.

  
  

Neben den Vorträgen kam die Begegnung untereinander nicht zu kurz. Auch die Begegnung der Polizeiseelsorger und –seelsorgerinnen mit ihrem Polizeibischof Weihbischof Wolfgang Bischof, mit Polizistinnen und Polizisten, mit dem bayrischen Innenminister Hermann und dem Bamberger Erzbischof Schick waren wichtige Punkte der Tagung.

Martin Zenk, der 9 Jahre geschäftsführender Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der katholischen Polizeiseelsorge war, wurde aus diesem Amt mit großem Dank verabschiedet.

Ein neuer Vorstand wurde nach der letztes Jahr beschlossenen neuen Wahlordnung gewählt.

Dem Vorstand gehören an:

Weihbischof Wolfgang Bischof,

Angelika Zwerger,

Michael Arnemann,

Georg Hug,

Hubertus Kesselheim,

Joachim Michalik,

Torsten Thiel

  
  

Die nächste Bundesfachtagung der katholischen Polizeiseelsorge wird vom 2.-5. Mai 2017 in Magdeburg sein.

  
  

Weitere Bilder


Polizeibischof Weihbischof Wolfgang Bischof - Begrüßung


Tagungshaus Bistumshaus St. Otto Bamberg


Wunibald Müller - Wertekonflikte von Seelsorgerinnen und Seelsorgern


Arbeitsgruppen


Arbeitsgruppen


Arbeitsgruppen


Arbeitsgruppen


Bettina Nickel - Härtefallkommission


Gebet


Martin Zenk


Innenminister Hermann beim Empfang von Erzbischof Schick


Dr. Gianpiero Boe


Besuch im Ankunfts- und Rückführungszentrum

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Spruch des Tages

„Über Vergangenes mach dir keine Sorgen, dem Kommenden wende dich zu.“ Tseng-Kuang

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Die nächste Bundesfachkonferenz Polizeiseelsorge wird vom 22.-25. Mai 2018 in Mainz sein.